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8 min Lesezeit

Inhaltlich aktualisiert: 30.9.2026

KI für Anwaltskanzleien: Aktenarbeit mit Quellen und Mandatstrennung

KI für Kanzleien mit 5–30 Personen: Akten sichten, Vertragsstellen finden und Entwürfe vorbereiten. Mit Quellen, Mandatstrennung und einem prüfbaren Pilot.

Direkte Antwort

Eine Kanzlei braucht vor allem nachvollziehbare Ergebnisse. KI kann Akten sortieren, Vertragsstellen auffinden oder einen Entwurf vorbereiten. Sie sollte dabei belegen, woher die Information stammt, und den zuständigen Rechtsanwalt bei der Prüfung unterstützen.

Lokale Verarbeitung ist interessant, wenn Akten innerhalb der eigenen Infrastruktur bleiben sollen. Sie macht das System jedoch weder automatisch berufsrechtskonform noch fachlich zuverlässig. Die BRAK-Hinweise zum KI-Einsatz behandeln gerade die Kontrollpflichten und die anwaltliche Verschwiegenheit. Die eigenverantwortliche Prüfung bleibt bei der Kanzlei.

Planungsszenario: 12 Personen, drei gleichzeitig aktive Nutzer

Eine Kanzlei mit zwölf Beschäftigten möchte Schriftwechsel zu ausgewählten Mandaten schneller überblicken. Drei Personen sollen den Assistenten gleichzeitig nutzen können. Dokumente liegen bereits in der Kanzleisoftware; die Zugriffsrechte dürfen durch den neuen Assistenten nicht erweitert werden.

Der erste Pilot beschränkt sich auf einen abgeschlossenen, freigegebenen Testbestand. Er produziert eine Chronologie mit Datum, Ereignis und Belegstelle. Fehlt ein Datum oder widersprechen sich Schreiben, muss das im Ergebnis sichtbar bleiben. Keine automatische Übernahme in Schriftsätze und keine selbstständige Fristenberechnung.

ArbeitsschrittAusgabe des AssistentenMenschliche Prüfung
Akte erschließenDokumentübersicht, Beteiligte, fehlende UnterlagenZuordnung und Vollständigkeit
Ereignisse ordnenChronologie mit Seiten- oder AbsatzbelegenDatumsangaben und Zusammenhang
Vertragsstellen suchenFundstellen zu vorgegebenen KlauseltypenBedeutung und rechtliche Einordnung
Entwurf vorbereitenText auf Basis freigegebener BausteineArgumentation, Zitate, Fristen und Versand

Der Bestand wird gelesen und ausgewertet; Originalakten werden im Pilot nicht verändert. Ein späterer schreibender Zugriff wäre ein eigener, separat freizugebender Projektumfang.

Die entscheidende Frage ist die Mandatstrennung

Eine gemeinsame Vektordatenbank ohne passende Zugriffskontrolle kann Informationen zwischen Mandaten offenlegen. Deshalb muss schon die Dokumentensuche auf den berechtigten Bestand begrenzt sein. Ein nachträglicher Satz im Prompt, nur erlaubte Daten zu verwenden, genügt dafür nicht.

Praktisch testen wir zwei Nutzer mit unterschiedlichen Rechten. Beide stellen dieselbe Frage zu einem geschützten Dokument. Der nicht berechtigte Nutzer darf weder den Text noch Titel, Zusammenfassung oder Beleg erhalten. Änderungen und Entzug einer Berechtigung müssen auch im Suchindex wirksam werden.

Bei Scans kommen weitere Fragen hinzu: Erfasst die Texterkennung Zahlen und Namen richtig? Sind Seitenverweise noch nachvollziehbar? Gehört eine Anlage zur richtigen Akte? Diese Vorarbeit ist oft wichtiger als der Wechsel zu einem größeren Modell. Die Umsetzung erklärt KI mit eigenen Dokumenten, die technische Grundlage RAG lokal.

Welche Betriebsform passt zur Kanzlei?

Ein Einzelplatz kann für die Erprobung genügen. Ein gemeinsames System braucht getrennte Nutzerkonten, sichere Netzwerkzugänge und einen verantwortlichen Betreiber. Für externe Dienstleister sind auch Wartung, Backup und mögliche Zugriffe zu prüfen. Den Zusammenhang erläutert die DSK-Orientierungshilfe zu KI und Datenschutz.

Die Mitarbeiterzahl ist kein Hardwaremaß. Entscheidend sind gleichzeitige Nutzung, Dokumentlänge, notwendige Antwortqualität und die tolerierbare Wartezeit. Auch ein größeres Gerät braucht Reserve für Betriebssystem, Dokumentverarbeitung und laufende Anfragen. Unter KI-Server-Kosten vergleichen wir die Betriebswege, im Hardware-Guide den Speicherbedarf.

Wann der Pilot bestanden ist

Die Kanzlei stellt fachliche Testfragen zusammen und dokumentiert die richtigen Fundstellen. Geprüft werden:

  • Behauptungen ohne Beleg sowie unzutreffende oder unvollständige Chronologien.
  • Die Trennung zwischen Dokumentinhalt, Schlussfolgerung und Unsicherheit.
  • Abweisung von Anfragen außerhalb der eigenen Berechtigung.
  • Gesamtzeit bis zum anwaltlich geprüften Ergebnis, einschließlich Korrekturen.

Ein öffentlicher Modellbenchmark ersetzt diesen Test nicht. Ein System, das häufig plausible Zitate erfindet, ist für diesen Arbeitsablauf ungeeignet, selbst wenn es flüssig formuliert.

Eine Anfrage, die die richtigen Fragen klärt

Für eine erste Einschätzung brauchen wir Aufgabe, Kanzleigröße, parallele Nutzung, vorhandene Software und zulässigen Datenstandort. Über konkrete Testunterlagen und einen sicheren Übertragungsweg sprechen wir erst danach. Die Beratung umfasst die technische Planung; eine berufsrechtliche Freigabe ist damit nicht zugesagt.

Anfrage für ein Kanzlei-Projekt vorbereiten · Beratungsformate ansehen

Häufige Fragen

Kann eine Kanzlei ChatGPT durch lokale KI ersetzen?

Für abgegrenzte Aufgaben wie Dokumentensuche oder Entwürfe ist ein lokales Modell eine mögliche Alternative. Ob es fachlich ausreicht, muss die Kanzlei testen. Ein lokal betriebener Chat ist nicht derselbe Dienst wie ChatGPT.

Sind Mandantendaten auf einem lokalen Server automatisch geschützt?

Nein. Entscheidend sind unter anderem Berechtigungen, Mandatstrennung, Protokolle, Backups, Wartungszugänge und fachliche Freigaben. Lokale Verarbeitung ersetzt keine berufs- und datenschutzrechtliche Prüfung.

Welche Aufgabe eignet sich für den ersten Kanzlei-Pilot?

Eine Aktenchronologie mit Belegstellen oder die Suche nach definierten Klauseln in einem begrenzten Dokumentbestand. Die anwaltliche Bewertung und die Prüfung der Vollständigkeit bleiben beim zuständigen Menschen.

Wie viel Hardware braucht eine Kanzlei mit 20 Personen?

Die Mitarbeiterzahl allein genügt nicht. Modell, Kontextlänge und gleichzeitig aktive Anfragen bestimmen den Bedarf. Für drei aktive Nutzer kann ein Pilot viel kleiner ausfallen als für 20 parallele Sitzungen.

Welche Unterlagen sollen wir für die Anfrage schicken?

Für den ersten Kontakt genügt eine Beschreibung der Aufgabe, Teamgröße, bestehenden Kanzleisoftware und Datenanforderungen. Keine Mandantennamen oder Akten über das Anfrageformular, E-Mail oder WhatsApp senden.

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